Papierherstellung

Papierschöpfen

Die Geschichte des Papiers

führt mehr als 2.000 Jahre zurück ins alte China, wo um 200 v. Chr. eine Methode zur Herstellung von Papier entwickelt wurde. Überlieferungen zufolge waren sie die ersten, die aus Seidenresten Papierrohstoff entwickelten. Das Geheimnis der Herstellung hielten sie über fünf Jahrhunderte streng geheim. Sie verfeinerten es jedoch in dieser Zeit und verwendeten nicht nur Seidenreste, sondern auch Pflanzenfasern, Baumrinde und alte Fischernetze.
Man kann Papier aus vielen verschiedenen pflanzlichen Fasern oder auch Pilzen herstellen.

Ob diese aus Schwertlilien, Spargelschalen, Knöterich, Pilze oder morsches Pilzholz verwendet wurden, alles ist möglich! Es müssen also nicht immer Bäume sterben für die Herstellung von schönem Papier!

Allerdings fällt die Papierqualität natürlich unterschiedlich aus je nach verwendetem Rohmaterial. Übrigens, schon früh haben Menschen zur Papierherstellung Recycling-Produkte entwickelt, um Kosten zu sparen. Man verwendete zum Beispiel Lumpen aus Baumwolle, die so abgenutzt waren, dass sie nicht mehr geflickt werden konnten. Diese Kleidungsstücke wurden über einen längeren Zeitraum in mit Wasser verdünntem Urin eingeweicht, um die Fasern aus den Stoffen herauszulösen, später gereinigt, unter Hammermühlen zerfasert und danach weiterverwendet.

Papierherstellung
Schwertlilie
Papierherstellung
Chlorociboria befallenes Holz
Papierschöpfen
Schwertlilie & Chlorociboria Holz
Papierschöpfen
Birkenporling

Doch wie stellt man nun Papier selbst her?


Unter IAPMA könnt ihr noch mehr PILZ Papier von mir sehen

Zunächst wird ein Faserbrei (Pulpe) hergestellt, der aus Wasser und Pflanzenfasern bzw. Pilzen besteht. 
Die Mahlung des Faserbreis bestimmt entscheidend die Eigenschaften des späteren Papiers.
Gut ist es bei Pflanzenfasern sie nicht nur zerkleinern, sondern auch fibrillieren, also zerfasern. Das bedeutet ein feines Ausfransen der Faserenden, das zu einer intensiverenVerbindung der Fasern untereinander führt. Die Festigkeitswerte solcher Papiere werden dadurch wesentlich erhöht.

Pflanzenpulpe herstellen:

Frische Pflanzen können gleich gekocht werden. Bei getrocknete Pflanzen, werden ca. 500g ausgewogen und über Nacht in Wasser eingeweicht. 100 g Pottasche (20 % des Trockengewichts der Fasern) wird ausgewogen und in einem Kochtopf (nur aus Edelstahl oder Emaille) in ca. 7 Litern Wasser aufgelöst. Dann werden die Fasern zugefügt und das Wasser zum Kochen gebracht. Die Fasern werden bei schwacher Hitze im geschlossenen Topf ca. 2-3 Stunden lang gekocht und dabei gelegentlich umgerührt. Wenn man sie leicht auseinanderziehen kann, sind sie bereit zur Weiterverarbeitung. Die Fasern müssen nun gründlich gespült und die kleinen Rindenreste ausgelesen werden. Mit einem Holzhammer können die Fasern 20-30 Minuten lang geschlagen werden.
Dann kann man loslegen mit dem Papierschöpfen. Oder man mischt die fertige Masse mit der fertigen Pilzpulpe.

Pilzpulpe (bzw. befallenes Pilzholz) herstellen:

Getrocknete Pilze werden über Nacht in Wasser eingeweicht. Frische Pilz-Fruchtkörper können dagegen sofort verarbeitet werden.
Pilze mit Wasser im Mixer oder mit dem Pürierstab in eine breiige Masse zerkleinern. Die Konsistenz des Breis sollte einer Cremesuppe entsprechen.
Dieser lässt sich auch einfärben mit Farb-Pigmenten aus Pilzen oder mit Säure behandeln, das er heller oder eine andere Farbe bekommt.
Den kippt ihr in die große Schüssel oder Wanne. Rührt so viel Wasser hinein, dass sich das Ganze in etwa anfühlt wie Buttermilch. Nehmt den bespannten Schöpfrahmen und haltet ihn so, dass die Seite mit dem Gitter nach oben weist. Legt den anderen darauf. Danach wird ein Schöpfrahmen durch den Papierbrei gezogen und vorsichtig nach oben gehoben, damit das Wasser möglichst gleichmäßig aus dem Netz herausfließen kann.
Oder Pilzfaserbrei in die Rahmen gießen und gleichmäßig verteilen.
In dem Gitter bleibt die »Pulpe« hängen. Legt die Holzteile über dem Wannenrand ab, sodass möglichst viel Wasser ablaufen kann.
Währenddessen breitet ihr auf einer ausreichend großen Fläche eines der Vliestücher aus und legt ein zweites bereit.
Tropft es nach einigen Minuten kaum noch aus dem Gitter, nehmt ihr den oberen Rahmen ab und stürzt den unteren so auf das Vlies bzw. Gautschtuch, dass die Seite mit dem Papierbrei unten liegt. Nun müsst ihr das Gitter sanft von oben abtupfen und danach vorsichtig den Rahmen anheben, wobei die »Pulpe« auf dem Stofftuch bleiben soll. Breitet das zweite Tuch darüber und presst per Nudelholz das restliche Wasser heraus.
Oder Stofftuch mit Pilzmasse auf alte Zeitung legen. Ein weiteres Stofftuch auflegen. 
Mit einem Schwammtuch das überschüssige Wasser abnehmen, dazu mit der Hand auf den Stapel drücken. Frisches Zeitungspapier auflegen zum Wasserentzug. Stapel mit Gewichten beschweren oder der in einer Papierpresse quetschen und dann zwischen Zeitung bzw. alte Tücher trocknen lassen. Die Zeitung täglich wechseln, bis die Papiere trocken sind.
Oder Pilzfaserbrei in die Rahmen gießen und gleichmäßig verteilen. Dann in der Sonne abtrocknen lassen.

Zum Papierabziehen, den Stoff abwechselnd in beide Richtungen schräg zur Faserrichtung (Fadenlauf) ziehen, damit sich das Pilzpapier vom Stoff löst.

Später können individuelle Muster in kleine Linolkärtchen ritzten, diese mit Linolfarbe eingefärben und schließlich auf das Papier drucken.

Chlorociboria

Der Grünspanbecherling (Chlorociboria) ist ein Schlauchpilz, der auf am Boden liegenden, morschen Laubholz zu finden ist. Chlorociboria produzieren in den Paraphysen und ihrem #Myzel den Farbstoff Xylindein
Das grüne Holz wurde in der Zeit der Renaissance für Intarsien arbeiten verwendet. Der Farbstoff, Xylindein, ist im Holz ziemlich lichtbeständig.

3 comments
  1. Wie wunderbar – so unerwartet tolle Ergebnisse! Wird es dazu auch einen Kurs geben???
    Herzliche Grüße aus München, Ute

    1. Liebe Ute,
      danke, das freut mich, wenn Dir das Papier gefällt. Ich würde gerne im Winter dazu Kurse anbieten. Wenn man nicht raus in die Natur kann! Grüße aus Sallach, Tanja

  2. […] dem Foto ist ein Birkenporling Papier, darauf ein Hexenröhrling zu […]

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