Frühjahrslorchel- Essbar oder GIFTIG

Bei einem wunderbaren Spaziergang am Sonntag im sandigen sauren Kiefernwald, stand sie plötzlich da, die Frühjahrlorchel.

Aus der Gattung Gyromitra esculenta,

der lateinische Gattungsname leitet sich von gŷros und gr. mítra für „Kopfbinde“ oder „Mitra“ und der Artname “esculenta“ was so viel bedeutet wie „essbar“. Die Frühjahrslorchel hat im deutschen Raum viele volkstümliche alte Namen, wie Frühlorchel, Giftlorchel, Laurich, Lauerchen, Speiselorchel, Stockmorchel, Stocklorcherl. Im englischsprachigen Raum wird der Pilz oft als false morel („Falsche Morchel“) bezeichnet.

Wie der Name schon sagt, wächst sie in den Frühjahrsmonaten von Februar bis Mai, in nördlichen Gegenden auch bis in den Juni. Besonders gern wächst sie vorwiegend im Nadel-, bzw. Kiefernwald auf sandigen Böden, an Wegrändern und um Nadelholzstümpfe. Sie gehört zu den ersten Pilzen im Jahresverlauf. Deshalb wäre es möglich sie im Frühjahr mit den beliebten Morcheln (Morchella) zu verwechseln. Wobei die Morchel einen wabenartigen Hut trägt und die Giftlorchel eien dunkelbraunen hirnförmigen lappigen Hut. Innen ist der Hut weißgrau, sehr feinfilzig und voll wirr durcheinander gehender Höhlungen.
Das zarte, zerbrechliche Fleisch hat einen angenehmen, leicht morchelartigen Geruch.
Bitte keine Geschmacksprobe machen, da der Pilz roh giftig ist ( lebensgefährlicher Giftpilz!).

Früher galt der extrem giftige und lebensgefährliche Pilz als sehr wohlschmeckend,

und wurde am Viktualienmarkt München angepriesen. Karin Montag schreibt, dass in der Saison vor ca. hundert Jahren 1500kg Frischpilze verkauft wurden.
Der Pilz wurde erst getrocknet, dann zweimal für längere Zeit gekocht, wobei nach dem ersten Kochgang das Kochwasser weggeschüttet wurde. Der ganze Vorgang an der frischen Luft, da die Dämpfe ebenfalls giftig sind. Bevor er dann weiter zu Pilzgerichten verarbeitet werden konnte.
Die Pilze müssen schon sehr lecker sein, wenn man solch eine komplizierte und latent gefährliche Zubereitungsmethode zelebriert oder ist es dabei der Nervenkitzel?
Auch heute noch wird die Lorchel in vielen Ländern der Welt als wohlschmeckender Speisepilz gegessen und gehandelt, was ich mit Erstaunen auf Instagram verfolgen kann. Man sieht Rezeptfotografien von Gratins, Pizza, Eierspeisen, Risotto, Nudelgerichten und die Lorchel wird sogar in Dosen verkauft.

Die DGfM rät dringend davon ab und informiert über das schädigende Leber und Nieren Zellgift!

Wie will man einer Pilzmahlzeit ansehen, ob Sie noch Giftstoffe, wie das Gyromitrin enthält oder nicht? Warum wurde diese Lorchel schon vor Jahren in Deutschland und weiteren europäischen Ländern aus der Speisepilzliste gestrichen und in die Giftpilzliste verbannt?

Hierzu hat mir Prof. Dr. Siegmar Berndt, DGfM - Toxikologe berichtet:

"diese Situation ist wirklich schwer nachvollziehbar, zumal der Pilz Gyromitra esculenta - also, wörtlich übersetzt, die eßbare Lorchel heißt ( in Analogie zu Morchella esculenta - die eßbare Morchel). Bereits der Rohverzehr eines einzigen Fruchtkörpers kann zum Tode führen. Grund dafür ist Gyromitrin bzw. sein noch toxischeres Abbauprodukt, das Monomethylhydraziun (MMH). Dieses Gift ist noch gefährlicher als die Amatoxine des Grünen Knollenblätterpilzes, da es nicht nur Leber und Niere zerstört sondern auch das Blut bildende System und das Nervensystem angreift.
Im Gegensatz zu den Amatoxinen sind Gyromitrin und MMH hitzelabil, d.h. sie werden durch Erhitzen und Trocknen zerstört, aber eben nicht immer vollständig. In Ländern in denen diese Pilze noch gehandelt werden, wissen die Konsumenten aus Tradition um die richtige Zubereitung, müssen aber trotzdem, z.B. in Finnland, beim Einkauf vom Verkäufer auf die Besonderheiten der Zubereitung hingewiesen werden. Nach ungenügendem Garen oder Trocknen ist es immer wieder zu Intoxikationen gekommen. Allein das Einatmen der Dämpfe des sehr flüchtigen Gyromitrins bzw. MMH´s über dem Kochtopf hat schon zu Vergiftungen geführt.
Wir leben, Gott sei Dank, nicht in Kriegs- oder Nachkriegszeiten und sind nicht mehr auf eine "Ernährung aus dem Wald" angewiesen. So ist es konsequent und sinnvoll, dass Gyromitra esculenta in Deutschland nicht mehr verkehrsfähig ist, d.h. nicht mehr gehandelt und zu Handelsprodukten verarbeitet werden darf.
Unser Fachausschuß "Pilzverwertung und Toxikologie" propagiert deshalb diesen Pilz nicht mehr als Frühlingslorchel sondern nur noch als Giftlorchel zu benennen. Die wissenschaftliche Bezeichnung Gyromitra esculenta darf aus nomenklatorischen Gründen nicht geändert werden, obwohl die Benennung Gyromitra venenata - also die Giftige Lorchel - zutreffender wäre."

Der stark schwankende Wirkstoffgehalt

und die unterschiedlichen Zubereitungen könnten Erklärungen liefern, warum manche Personen jahrelang folgenfrei Frühjahrslorcheln essen können, während andere schwere Vergiftungen erleiden.

Dazu gibt es Berichte, das in Russland die Vergiftungen mit der Frühlingslorchel immerhin 45% der gesamten Pilzvergiftungen ausmachen! Ausserdem können auch noch Allergien, zu heftigen Brechdurchfällen führen, und dass Gyromitrin soll auch krebsauslösend sein.

Bitte nehmt auch kulinarischen Abstand von der Riesenlorchel ( Gyromitra gigas) und Bischofsmütze (Gyromitra infula)....Gyromitrin scheint in Schlauchpilzen weit verbreitet.

Hier bei der DGfM könnt Ihr euch über das Gyromitra Syndrom ausführlich informieren

 

Bei einer Vergiftung ist dringend ein Notarzt zu rufen und es wird empfohlen, Pilzreste und das Erbrochene aufzuheben.

Frühjahrslorchel
Frühjahrslorchel

Kann der Verzehr von Giftlorcheln ( Gyromitra s.l.) Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) auslösen?

Ein französisch-amerikanisches Team hat ein mehr als zehn Jahre altes medizinisches Rätsel in dem Dorf Montchavin in der Nähe des Skiortes La Plagne (Savoyen) gelöst. Dort beobachtete eine Allgemeinmedizinerin 2009 etwas Beunruhigendes:
Zum dritten Mal diagnostizierte sie bei einem Einwohner eine seltene tödliche neurodegenerative Erkrankung, die amyotrophe Lateralsklerose (ALS) oder Charcot-Krankheit. Sie alarmierte Spezialisten für diese Krankheit, die daraufhin eine gründliche Untersuchung einleiteten. Zunächst fanden sie zwischen 1991 und 2013 11 weitere Fälle in dem Dorf, von denen die Hälfte bereits verstorben war. Die Häufung der Erkrankten ist umso erstaunlicher, als sie nicht miteinander verwandt sind.
Da eine Umweltursache vermutet wurde, wurden alle möglichen Ursachen untersucht, wie bakterielle Toxine oder Blei im Wasser, Radongas in den Häusern, Luft- oder Bodenverschmutzung durch Pestizide oder Schwermetalle... alles ohne Erfolg.

Ähnliche Situation auf der Insel Guam

Da die Forscher nicht weiterkamen, wurden sie jedoch auf Peter Spencer aufmerksam, einen Toxikologen an der Universität von Oregon in den USA, der bereits eine ähnliche Situation auf der Insel Guam im Westpazifik untersucht hatte.
Der traditionell verzehrte Samen einer lokalen Pflanze des Palmfarnes Cycas micronesia, hatte sich als Ursache für zahlreiche Guam ALS-Fälle erwiesen. Ungewöhnlich viele einheimische Chamorros die in ihrer regionalen Küche Cycas Samen in der Tortillas verwendet wurde erkrankten. Die Samen enthalten ein neurotoxisches Glycosid, das Casein ( Methylazoxymenthanol) und eine seltene genotoxische Aminosäure ß-N-Methyamino-L-Alanin (BMAA).
Auch Giftlorcheln ( Gyromitra esculenta) und die Riesenlorchel (Gyromitra gigas), enthält ähnliche Toxine, die in ihrer Wirkungsweise  der Cycas ähneln.

In der im Journal of Neurological Sciences veröffentlichten Studie berichten die Wissenschaftler, dass die 14 Erkrankten den Pilz im Gegensatz zu den anderen Dorfbewohnern sehr wohl Jahre zuvor mehrmals verzehrt hatten.

Falsche Morcheln bleiben in Finnland eine beliebte Delikatesse

Einige erkrankte Menschen, die es gewohnt waren, mit wilden Pflanzen oder Pilzen zu kochen, erinnerten sich sogar daran, dass sie nach üppigen Mahlzeiten mit der Frühjahrs- Lorcheln, die in Frankreich seit 1991 wegen ihrer potenziellen Giftigkeit nicht mehr verkauft werden dürfen, ernsthafte Beschwerden hatten. Gleichzeitig wurde in Finnland in einer Region, in der der Pilz eine beliebte Delikatesse ist, ein Anstieg von ALS beobachtet. Auf der Insel Guam hingegen sind inzwischen die Fälle der Krankheit zurückgegangen, seit die Samen der Cycas aus der lokalen Küche verbannt wurde.

Ist das nicht ein Grund mehr, um endgültig davon überzeugt zu sein, auf die Frühjahrs-Lorchel bei Mahlzeiten zu verzichten?

Den Artikel findet ihr hier!

Tödliche Pilze Karin Montag

3 comments
  1. Eine sehr aufschlußreiche Information über diesen Pilz.#
    Eine Freundin berichtete heute über diesen Pilz, den sie in Ihrem Walddomizil fand.
    Sie schwärmte von diesem gelungenen Pilzessen, nannte den Pilz Frühjahrslorchel.
    In ihrem alten Pilzbuch wurde geraten, den Pilz vor der Verarbeitung zu brühen.

    Ich werde meiner Freundin Ihre Darstellung als Kopie geben.
    Dank für Ihre Darstellung!

  2. Ich habe als Kind nach dem Krieg Pilze in den Kiefernwäldern um Calau gesammelt. Die Frühjahrslorchel war ein beliebter Suppenpilz. Ich habe diesen Pilz roh gegessen und leide seit dieser Zeit an einem Tremor. Heute bin ich 83 Jahre alt und lebe mit dem Tremor und abgestimmten Medikamenten ( Propanolol und Pramopexin ).

    1. Danke Herr Jossa,
      für die interessante Information. Das tut mir sehr leid für Sie. Warum haben Sie die Frühjahrslorchel roh gegessen und wieviel? Hatten sie dann direkt Vergiftungserscheinungen? Sie schreiben der Pilz war ein beliebter Suppenpilz, wurde der Pilz davor abgekocht?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert