Die Geschichte – FÄRBEN mit Pilzen

Miriam C. Rice

war eine amerikanische Künstlerin und Pädagogin, die in Mendocino an der nordkalifornischen Küste lebte und arbeitete. In den späten 1960er‑Jahren begann sie, mit Naturfarbstoffen zu experimentieren – zunächst mit Zwiebelschalen, Kompost und Gemüseschalen im Kunstunterricht mit Kindern. Aus dieser spielerischen Neugier entstand eine Entdeckung, die die Färber‑ und Textilwelt verändern sollte: Pilze als Quelle intensiver, lichtbeständiger Farben.

Eines Tages warf Miriam bei einem Färbeversuch einen schwefelgelben Pilz (Hypholoma fasciculare) in den Farbsud

das Wollgarn nahm ein leuchtendes Gelb an. Von diesem Moment an begann sie systematisch, mit unterschiedlichen Pilzarten zu experimentieren, Proben zu färben und alles genau zu dokumentieren. Sie entdeckte, dass sich aus Pilzen nicht nur Gelb- und Brauntöne gewinnen lassen, sondern ein ganzes Farbspektrum: von Gelb über Ocker, Orange und Rot bis hin zu Grün, Blau und Violett. Viele dieser Farbtöne waren ungewöhnlich klar und erstaunlich wasch- und lichtbeständig.

Ihre Forschung mündete 1974 in ihr erstes Buch „Let’s Try Mushrooms for Color“, das als erstes modernes Standardwerk zu Pilzfarbstoffen gilt. Spätere Bücher – darunter „Mushrooms for Color“ – erweiterten diese Arbeit mit einer regelrechten Farbpalette und Farbrädern auf Pilzbasis. Parallel dazu arbeitete Miriam eng mit der Illustratorin Dorothy Beebee zusammen, die Pilze und gefärbte Muster zeichnerisch dokumentierte und so half, dieses neue Feld anschaulich zu machen. Miriam beließ es nicht beim Färben von Wolle oder Textilien.

Sie nutzte den übrig gebliebenen Pilzbrei, um daraus Papier zu schöpfen, und extrahierte Pigmente für Aquarellfarben, Tinten und später sogar Pigmentstifte, die sie „Myco‑Stix“ nannte. So wurden Pilze zu einem umfassenden künstlerischen Medium – Farbstoff, Papierfaser und Zeichenmaterial zugleich.
Um Forschung und Austausch zu fördern, initiierte sie Ausstellungen zu pilzgefärbter Faser‑ und Papierkunst und war an der Gründung des International Mushroom Dye Institute (IMDI) beteiligt, das bis heute Künstlerinnen, Künstler und Forscherinnen und Forscher aus aller Welt vernetzt. Aus ihren Experimenten entwickelte sich eine internationale Gemeinschaft von „Pilzfärber*innen“, die ihre Methoden weiterentwickeln, neue Farbpilze finden und die Technik global verbreiten.

Die Erzählung über Miriam Rice ist damit die Geschichte einer Frau, die aus kindlicher Neugier, Liebe zur Natur und Sorge um giftige Industrie­farbstoffe eine vollkommen neue Farbwissenschaft und ‑kunst begründete. Ihre Arbeit zeigt, wie reich die verborgene Farbwelt der Pilze ist und wie eng Kunst, Forschung, Ökologie und Handwerk miteinander verwoben sein können.

Felicia Rice

ist eine US‑amerikanische Buchkünstlerin, Schriftsetzerin (Letterpress‑Druckerin), Verlegerin und Kunstpädagogin, die seit den 1970er‑Jahren Künstlerbücher und Drucke mit starkem gesellschaftlichem und politischem Fokus schafft. Sie ist die jüngste Tochter der Künstlerin und Pilzfarbstoff‑Pionierin Miriam C. Rice und wuchs in der lebendigen Kunstszene von San Francisco und Mendocino auf. 1977 gründete sie in Santa Cruz die Letterpress‑Werkstatt und den Kleinverlag Moving Parts Press, den sie heute in ihrem Elternhaus in Mendocino weiterführt. Ihre Arbeiten werden weltweit in Ausstellungen gezeigt und sind in bedeutenden Bibliotheks‑ und Museumssammlungen vertreten; das vollständige Archiv von Moving Parts Press befindet sich an der UC Santa Barbara. Sie gestaltet und druckt Künstlerbücher, Broschüren, Plakate und Druckgrafiken, häufig in Zusammenarbeit mit Schriftstellerinnen sowie bildenden und performativen Künstlerinnen. Inhaltlich widmet sie sich Themen wie sozialer Gerechtigkeit, Migration, Umweltzerstörung, Feminismus und den Stimmen marginalisierter Communities, insbesondere der Chicana/Latino‑Community.

Felicia berichtet: „Meine Eltern gehörten zu den ersten Dozentinnen und Dozenten am Mendocino Art Center, und ich war das Sommerkind, das dort ab dem Alter von sechs Jahren Kurse besuchte.“ Ihre Eltern hatten einen enormen Einfluss auf die Mendocino‑Gemeinschaft. „Ich bin immer noch dabei, damit klarzukommen, dass meine Eltern fast so etwas wie Gemeinde‑Adelige waren“, sagt sie lächelnd. „Sie waren so beliebt, und manchmal fühlte ich mich ein bisschen wie eine Außenseiterin im Inneren.“
„Meine Mutter war 40 Jahre lang Kinder-Kunstpädagogin. Ausserdem war auch Bildhauerin und Querdenkerin und ist für die Büste von Bill Zacha, die sie geschaffen hat, gefeiert worden.“

Doch der Wald rief nach Miriam,

und sie begann, sich intensiver mit der Pilzwelt zu beschäftigen und in der Mykologie zu forschen. „Sie begann zu experimentieren und Pilze als Farbstoffquelle zu nutzen. Es war Teil ihrer künstlerischen Neugier. Ich erinnere mich an diese sehr regenreichen Winter, wenn wir einfach aus dem Haus gingen und loszogen.“ Bereits zuvor hatte Miriam mit ihren Schülerinnen und Schülern mit Naturfarbstoffen gearbeitet – mit Zwiebelschalen, Kompost und Gemüseschalen. „Eines Tages warf sie einen Pilz ins kochende Wasser, und es entstand ein wunderschönes Gelb.“ Miriam gilt als Autorin des ersten Buches über Pilzfarbstoffe und als Entdeckerin des vollständigen Farbspektrums, das in Pilzen steckt.

Kreativ mit Pilzen - ein herzliches Dankeschön an die Pioniere Karin Tegeler und Rita Lüder

dieser Artikel erschien in der Zeitschrift für Mykologie der DGfM

Karin Tegeler Textiles-Werken

Seit 1990 etwa hat Karin Tegeler (geb.1942) bei Johannes Haborth aus Hamburg die Techniken des Färbens mit Pflanzenfarben und vorheriger Tonerde-Kaltbeize sowie die Indigofärberei mit verschiedenen Küpen erlernt. Zu dieser Zeit arbeitete sie noch im Vogelreservat Wallnau/Fehmarn. Im Jahr 1996 machte sie sich selbständig mit ihrem „Textilen Werken“ und bot Kurse an im Pflanzenfärben, Filzen, Bilderweben und Spinnen sowie einen Kurs mit Johannes gemeinsam. Außerdem leitete sie auch eine Spinnstube in der ihr eine Teilnehmerin namens Toni Walter das Buch „Mit Pilzen Färben“ von Carla und Erik Sundström zeigte. Die Farbpalette von Pilzen und Flechten in diesem Buch zeigte, dass eine solche Farbgebung durch Pflanzen allein nicht erzielbar ist.

Darauf kam Sie auf die Idee, die Schwarzwälder Pilzlehrschau Hornberg von Walter Pätzold (1948-2011) zu besuchen, wo sie Kurse zu Cortinarien, Mikroskopie usw. belegte. Zur gleichen Zeit hatte eine Freundin namens Roswitha Kreit ein Haus in Schweden gekauft. Sie lud Karin ein, sie dorthin zu begleiten.

Die Reise nach Schweden war ein voller Erfolg:

Die Wälder dort sind von einer beeindruckenden Vielfalt an Pilzen und Flechten geprägt. Karin sammelte verschiedene Pilzarten und begann, mit ihnen Wolle und Seide zu färben. Ab dem Jahr 2000 etwa färbte sie aus den Pilzen wie Samtfußkrempling (Tapinella atrotomentosa), Zunderschwamm (Fomes fomentarius), Nadelholzbraunporling (Phaeolus schweinitzii) und später auch mit Schwefelköpfen (Hypholoma spec.), Stachelingen (Hydnellum spec.), Hautköpfen (Dermocybe spec.) und weiteren Arten sowie Flechten. Ab da reiste sie regelmäßig eigenständig nach Schweden, um die Wälder zu erforschen.

Aschenlauge zum Verändern einiger Farbtöne selbst herstellen :

Beginnen Sie, indem Sie einen großen Topf zur Hälfte mit Holzasche füllen und diese mit kochendem Wasser übergießen. Lassen Sie die Mischung anschließend 2 - 3 Tage stehen. Danach setzt sich die Asche am Boden ab. Im nächsten Schritt filtern Sie die Lauge durch ein Tuch, um Kohlepartikel zu entfernen. Für ein erfolgreiches Färben mit z.B. den Farbstoffen zum Blaufärben ist ein bestimmter pH-Wert notwendig: Bei tierischen Fasern wie Wolle soll dieser bei 9, bei pflanzlichen Fasern wie Leinen und Baumwolle bei 10 liegen. Wenn der Wert höher ist, wird die Lauge einfach mit Wasser verdünnt. Anschließend kann die Lauge wie z.B. Ammoniak zum Färben verwendet werden.

Hier finden Sie eine Anleitung, wie man Kaltbeize selbst herstellen kann: https://www.textiles-werken.de/pilze- faerben.html

Zufällig erfuhr sie vom 14. IFFS (International Fungi & Fibre Symposium) 2010 in Schweden, wo sie sich gleich angemeldet hatte.
Das erste Symposium wurde 1980 in Mendocino, Kalifornien, von Miriam C. Rice und Dorothy Beebee, den Gründern des IFFS, organisiert.

Seitdem findet es etwa alle zwei Jahre in verschiedenen Ländern statt – insgesamt bereits 19 Mal in 9 Ländern. Der Veranstaltungsort wird von den Mitgliedern der International Fungi and Fiber Federation gewählt, die 1999 während des 9. Symposiums in Norwegen gegründet wurde. Der Verband besteht aus einem Vorstand, der alle teilnehmenden Länder vertritt. Die Veranstaltung ist eine gemeinnützige Zusammenkunft von Pilz-, Faser- und Farbenliebhabern, bei der Forscher, Hobby- Mykologen, Färber, Kunsthandwerker, Experimentierfreudigen und Neugierige sich treffen.

Es ist eine Gelegenheit, die Pilz-Arbeiten der letzten Jahre zu teilen und weiteres Wissen auszutauschen. Es ist auch eine Gelegenheit, Freundschaften zu schließen, etwas über die Kultur und Geschichte der anderen zu erfahren und zu erkennen, wie sehr wir mit den wunderbaren, zerbrechlichen und doch kraftvollen Pilzen in unserer Umgebung verbunden sind.

Im Jahr 2010 reiste Karin nach Uppsala, Schweden, um am 14. Internationalen Pilz- und Faser Symposium (IFFS) teilzunehmen.

Leider war zu diesem Zeitpunkt Miriam C. Rice (1918–2010) verstorben, und Sie hatte keine Gelegenheit mehr, sie persönlich kennenzulernen. Sie erfuhr jedoch, dass man sich bei Carla Sundström (1941–2024) anmelden konnte, die ebenfalls als Dozentin dort tätig war. Weitere Organisatoren und Dozenten waren Hjördis Katarina Lundmark, Liza Johansson und Monika Svensson. Auch Ann-Christine Strömberg-Homlund, Matthias Andersson von der Universität Umeå (Schweden), Dr. K. Perumal aus Indien sowie Preben Graae Sørensen aus Dänemark boten Workshops und Vorträge an. Karin Tegeler war eingeladen, einen Vortrag über die Kaltbeize AL zu halten, da dieses Thema den Teilnehmern noch nicht bekannt war. Es wurde bis zu diesem Zeitpunkt kochend mit Alaun gebeizt, was viele Nachteile für die Wolle hatte.

Karin lernte dort auch die Technik der Papierherstellung aus Pilzen kennen, über die sie mir später berichtete. Schon in den 1970er Jahren experimentierte Miriam C. Rice mit Pilzfärbemitteln und entdeckte dabei, dass man aus den Pilzresten, die beim Färbeprozess anfallen, Papier herstellen kann. Als leidenschaftliche Befürworterin des Recyclings erschien ihr dies als eine natürliche Lösung für die Entsorgung der Pilzrückstände.

Die Forschung von Textilarchäologen (CARDON 2007), Wissenschaftlern wie MUSSAK & BECHTOLD (2009), RÄISÄNEN (2016) und Ethnomykologen (TURNER & CUERRIER 2021) hat inzwischen gezeigt, dass die Nutzung von Pilzpigmenten weltweit eine lange Tradition hat. Entlang der Nordwestküste Kanadas und Nordamerikas verwendeten indigene Völker wie die Chilkat, Syilx, Skwxwú7mesh, Nlaka'pamux und Kwakwaka'wakw den Echinodontium tinctorium (Indian Paint Fungus) sowohl für ästhetische als auch für symbolische Körperfärbungen. Es ist wahrscheinlich, dass die Verwendung der Pilz eine sehr alte ist.

https://www.researchgate.net/figure/Indian-paint-fungus-Echinodontium-tinctorium-Ellis- Everh-Ellis-Everh_fig8_356365851

Dr. Rita Lüder (2019-2023 Vizepräsidentin der Deutschen Gesellschaft für Mykologie – DGfM und Gründerin der PilzCoach-Ausbildung 2012) beschäftigte sich auch bereits seit Langem mit dem Färben mit Pflanzen und Pilzen. Deshalb besuchte sie 2011 Karin in Fehmarn und führte mit ihr Färbetests durch.

Außerdem zeigte Karin ihr die neue Erfahrung der Papierherstellung aus Pilzen.

Wolfgang Friese lernte bei Karin das Blaufärben mit den Habichtspilzen ( Sarcodon squamosus), was Karin bei Carla Sundström lernte, und gab es an Katharina Krieglsteiner, mir und vielen anderen weiter. Ute Künkele hatte Karin bei der Pilz-Tagung in Berchtesgaden kennengelernt, wo sie einen Färbekurs anbot und berichtete: „Anschließend wollten wir gemeinsam in Zwiesel bei der Tagung einen Kurs anbieten, ich als ihre Assistentin. Da Karin leider krank wurde, musste ich ins kalte Wasser springen, und habe den Kurs alleine gehalten. Karin hat mich immer sehr unterstützt, auch als ich in Simbach, Färben und Papier herstellen angeboten habe. Ihr Buch war eine große Hilfe und Grundlage für meine weiteren Färbekurse.“

Viele andere Pilz- und Färbeinteressierte nahmen an den Pilzfärbekursen von Karin Tegeler teil. Auch zu einem DGfM-Treffen in Bayern wurde sie von Peter Karasch für Vorführungen eingeladen.

Die PilzCoach Ausbilder 2016 in Molmerwende (von links nach rechts und oben nach unten): Hartmut Schubert, Karin Tegeler, Brigitte und Thomas Unger, Veronika Wähnert, Helga und Wolfgang Friese, Thomas Henschen, Dietmar Krüger, Martin Wernke, Annetraud Stüwe, Rita und Frank Lüder.
Foto: M. WERNKE

 

Im Jahr 2015 legte sie die PSV-Prüfung bei Andreas Gminder in Thüringen ab und konnte fortan offiziell als PilzCoach-Ausbilderin der DGfM Kurse anbieten. Zuletzt organisierte sie jährlich im September in Schweden und in Molmerswende im Harz den „Pilzfärbetreff“ für Interessierte. Der Pilzfärbetreff im Harz wird seit 2 Jahren von Wolfgang Friese geleitet. Dabei hatte ihr Ehemann Armin bei allen Kursen immer unterstützt und ihr „den Rücken freigehalten“.

2016 entstand ihr Buch- Leitfaden zum Färben mit Pilzen

Aus gesundheitlichen Gründen wird Karin Tegeler keine Kurse mehr anbieten können. Sie hat jedoch ihre Pilzfärbemuster an die Johann-Wolfgang-Goethe Universität Frankfurt am Main an Meike Piepenbrink übergeben, wo diese nun in den Glasvitrinen der mykologischen Abteilung zur Besichtigung ausgestellt sind.

 

Rita Lüder - Gründerin der PilzCoach-Ausbildung 2012/13

Rita Lüder berichtete, dass sie im Jahr 2012 einen Anruf von Andreas Gminder erhalten habe. Er erkundigte sich, ob sie sich vorstellen könne, im Präsidium der DGfM die Leitung für den Bereich Nachwuchsförderung zu übernehmen. Ihre erste Reaktion war eine eindeutige Ablehnung. Sie konnte sich diese Möglichkeit nicht vorstellen. Andreas zeigte jedoch Hartnäckigkeit, rief sie erneut an und wollte sie unbedingt für die Mitarbeit im neuen DGfM- Präsidium gewinnen. Sie kam zu dem Schluss, dass es möglicherweise ratsam wäre, die Idee noch einmal zu überdenken. Sie führte ein Gespräch mit ihrer Vorgängerin Heike Braun-Furtwängler und fasste schließlich den Entschluss, den Posten Beauftragte für Kinder und Jugend zu übernehmen.

Mehr zu den damaligen Veränderungen im DGfM- Präsidium könnt ihr im Jubiläumsband "100 Jahre DGfM" nachlesen: https://www.dgfm-ev.de/de/angebote/publikationen

Zur Mitgliederversammlung 3. März 2012 reisten Rita und ihr Ehemann Frank nach Frankfurt und kamen gerade rechtzeitig in der Johann-Wolfgang- Goethe Universität an. Rita konnte ihre Wahl als Beauftragte für Nachwuchsarbeit persönlich vor der versammelten Mitgliedschaft annehmen.
Sie berichtet: „Es war ein sehr bewegender und inspirierender Moment für mich, ich konnte es kaum in Worte fassen kann – ein Gefühl, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein.“

„Der Pilzcoach: ein Multiplikator für die Faszination und Bedeutung der Pilze im Ökosystem“

Auf der Rückfahrt – rund 400 Kilometer nach Hause
– begannen beide, über die Nachwuchsarbeit nachzudenken. Schnell wurde klar: Was Pilzwissen betrifft, viele Schulen, die noch auf dem Stand waren „die Erde ist eine Scheibe“. Was also tun? Multiplikatoren gewinnen! Es musste eine Ausbildung her, außerhalb des klassischen Schul- und Universitätssystems. Eine, die an die Faszination der Pilzwelt anknüpft, Spaß macht, bunt, aktiv und spannend – und gleichzeitig Wissen vermittelt.

So könnten engagierte Menschen das Thema indirekt doch in Bildungseinrichtungen tragen. Während dieser denkwürdigen Autofahrt wurden die ersten wesentlichen Inhalte entwickelt und auch der Name "PilzCoach" geprägt. Im weiteren Verlauf stellte Rita das Konzept ihrer Familie, Freunden und Pilzfreunden vor. Im Rahmen der Diskussion wurde insbesondere der Name des Projekts erörtert. Es wurden Vorschläge wie "Pilzonkel", "Pilzführer" oder "Pilzranger" in Betracht gezogen, doch letztlich wurde sich für "PilzCoach" entschieden. Nachdem das Konzept in der ersten Präsidiumssitzung am 31. März 2012 Zustimmung fand, galt es, Mitstreiter zu gewinnen. Außerdem waren die Rahmenbedingungen zu klären, wie die Themen Ökologie der Pilze, Umweltschutz, Pilzgrundwissen, Pädagogik und künstlerische Praxis, Sicherheit und Exkursionsplanung, wie Speise-, und Giftpilze. Dazu luden sie Pilzsachverständige ans Steinhuder Meer ein. In teils intensiver Diskussionen musste ein gemeinsamer Weg gefunden werden – etwa bei der Frage: „Darf ein PilzCoach Pilze mit Gruppen kulinarisch zubereiten?“ Der Konsens lautete schließlich: Ja, sofern es sich um Arten handelt, die klar bestimmbar und auf einer festgelegten Liste vermerkt sind.

Neben den inhaltlichen Debatten wurde auch viel praktisch ausprobiert: mit Pilzen Wolle und Seide färben, Papier schöpfen, Funken auffangen mit Zunderschwamm, Pilzmodelle gießen – Erfahrungen, die selbst unter Pilzsachverständigen selten sind. Einige der Teilnehmer waren so begeistert, dass sie bis heute mit viel Herzblut und Engagement Teil der PilzCoach- Ausbildung geblieben sind – darunter Wolfgang Friese (siehe Foto), Peter Karasch, Thomas Schmidt und Veronika Wähnert. Wolfgang Friese entwickelte mit seinem „Notfallkoffer“ ein ideales Starterset für PilzCoaches. Damit lässt sich in Trockenphasen mit wenig frischen Pilzen Begeisterung für die Welt der Pilze wecken und weitergeben.

Ab der Saison 2013 wurden die ersten PilzCoach-Ausbildungen durchgeführt.

Die Ausbildung besteht aus drei Doppeltagen in einem Zeitraum von mindestens sechs Monaten. Seitdem treffen sich die Ausbilder jedes Jahr, um Erfahrungen auszutauschen, sich gegenseitig zu inspirieren und neue Ideen zu entwickeln. Das erste Ausbildertreffen fand im November 2013, genau ein Jahr nach dem Start, wieder am Steinhuder Meer statt. Dort

berichteten sie einander von den vielen kreativen Abschlussarbeiten der Teilnehmer und den ersten praktischen Erfahrungen.

Die PilzCoach Ausbildung ist bis heute ein voller Erfolg und gewinnt im Rahmen des Naturschutzes und der Bildung immer mehr an Bedeutung! Rita Lüder hat ein Tor für viele Menschen in die Pilzwelt eröffnet! Darüber hinaus hat sie durch ihre wertvolle kreative Arbeit, die unter anderem Ideen, Illustrationen,

Fotografien, Texte, Plakate, Flyer und vieles mehr umfasste, die DGfM und ihre Ausbilder unterstützt, geprägt, gefördert und bereichert.

In einer Zeit, die von einem signifikanten Wandel in zahlreichen Bereichen gekennzeichnet ist, sollten wir den Zusammenhalt fördern, gegenseitige Rücksicht und das Engagement aller ehrenamtlichen Mitglieder und Vereine, jung und alt, sowie Projekte, die sich seit langer Zeit für Naturschutz, Naturbildung und Forschung in verschiedenen Formen einsetzen, aber auch neue Ideen fördern. Wir müssen uns alle gemeinsam dafür einsetzen, diese wertvolle Arbeit zu unterstützen! Es ist von entscheidender Bedeutung, dass wir sie würdigen und fördern.

Wir, die Pilzfärber, PilzCoach-
Ausbilder und -Coaches, möchten an dieser Stelle unseren aufrichtigsten Dank an Rita und Karin aussprechen. Es ist einfach großartig, dass sie ihren unermüdlichen Einsatz, ihr profundes Wissen und ihre Freude an der Pilzwelt an uns weitergegeben haben!

 

 

Quellenverzeichnis:

Literatur:

BECHTHOLD T, MUSSAK R (2009) Handbook of Natural Colorants. Wiley & Sons. 434 S.
CARDON D (2007) Natural Dyes: Sources, Tradition, Technology and Science. Archetype Publications, London. 804 S.
RÄISÄNEN R, PRIMETTA A, NIINIMÄKI K (2016) Dyes from Nature. Archetype publications, London 292 S.
TURNER NJ, CUERRIER A (2021) ‘Frog’s umbrella’ and ‘ghost’s face powder’: the cultural roles of mushrooms and other fungi for Canadian Indigenous Peoples. Botany 100: 183-205.

https://kreativpinsel.de/
https://www.textiles-werken.de/ https://www.mushroomsforcolor.com/a-brief-history-of-the-art-of-mushroom-dyeing-2/ https://www.researchgate.net/figure/Indian-paint-fungus-Echinodontium-tinctorium-Ellis- Everh-Ellis-Everh_fig8_356365851
https://myko-kitchen.de/

Danke für die Unterstützung zur Recherche: Rita Lüder, Karin und Armin Tegeler, Wolfgang Friese, Ute Künkele, Peter Karasch, Stefan Fischer, Steffen Frühbis.

 

Kristina Zimbakova

berichtet vom Treffen auf IFFS  auf Gran Canaria :
Ich bin dagegen, Kategorien und Etiketten für Künstlerinnen und Künstler festzulegen, Grenzen, in die sie hineinpassen sollen. Ich bevorzuge Individualität. Aber die amerikanische Bildhauerin Miriam Rice ist eine Pionierin in der Herstellung von Pilzpapier, ein Prozess, den sie später in ihrer Karriere begann, wenngleich ihr Fokus auf Farbstoffen und Pigmenten lag, die aus Pilzen gewonnen und auf Pilzpapier verwendet wurden.
Die deutsche Künstlerin/Mykologin Tanja Major stellt seit einigen Jahren Pilzpapier her und stellt ihre Werke aus. Insgesamt ist die Schaffung von Kunstwerken mit Pilzpapier noch ein Nischenbereich. Die Grundlagen sind gut definiert, aber jede Künstlerin und jeder Künstler experimentiert und improvisiert im Produktionsprozess stark.
Dennoch ist bislang niemand allgemein bekannt, der die Praxis durch die Anwendung von Pilz- und Flechtenexemplaren direkt auf dem Pilzpapier selbst weiterführt, um Mosaike, Collagen oder Schriftbilder zu schaffen und sie mit anderen Medien (Pastell, Acryl, Spitze und Fundstücken) zu kombinieren. Darüber hinaus zielt der sorgfältige Einsatz von Pilz- und Flechtenexemplaren im künstlerischen Kontext darauf ab, das Bewusstsein für den Schutz dieser rätselhaften, oft vernachlässigten, aber für das Leben auf der Erde essentiellen Organismen zu schärfen. Das heißt, die wissenschaftliche Artbezeichnung, der Schutzstatus (falls in Roten Listen geführt) und die geografische Herkunft werden in der Werkbeschreibung immer angegeben. Für hervorragende Leistungen im innovativen künstlerischen Umgang mit Pilzen war ich eine von nur zwei Stipendiatinnen des internationalen Förderpreises beim International Fungi and Fibre Symposium 2025 auf Gran Canaria, verliehen vom International Mushroom Dye Institute in den USA.

© Auszug aus dem Interview von Veritsa Vuchkova UNIVERSITY OF LAUSANNE FACULTY OF ARTS  "Ecofeminist Reflections in Sylvia Plath’s Poetry and Kristina Zimbakova’s Visual Art"

6 comments
  1. Guten Abend, bei einem Spaziergang haben wir heute Erdwarzenpilze gefunden. Lässt sich damit Wolle färben und wenn ja, haben Sie damit schon Erfahrung gemacht. Für eine Antwort, wäre ich sehr dankbar. Vielen Dank und viele Grüße
    Heike Kühn

    1. Hallo liebe Heike,
      ich selbst habe thelephora terrestris noch nicht ausprobiert. Hjördis Lundmark hat ihn und Wollergebnisse im Buch abgebildet. Da sind die Färbeergebnisse beim ph Wert 10 grau-beige.Vielleicht sieht es mit Seide ganz edel aus.Ich probiere es demnächst mal aus. Färbst Du viel?
      Herzliche Grüße
      Tanja

  2. Hallo, ich wollte fragen was der Grund ist, weshalb man mit Pilzen nicht andere Stoffe außer Tierische Stoffe färben kann. Lg

    1. Hallo,
      es ist schon möglich auch pflanzliche Stoffe zu färben, aber die nehmen die Farbpigmente nicht so gut an. Und sollten mit Soda vorbehandelt werden. Herzliche Grüße, Tanja

  3. Hallo, ich suche schon seit einer Weile nach getrockneten Färberpilzen zum kaufen und wollte hier mal nachfragen, ob es da etwas in die Richtung gibt?
    Liebe Grüße
    Lara

    1. Hallo liebe Lara,
      hast Du schon mal mit Pilzen gefärbt? Gerne kann ich Dir was anbieten, vielleicht den Nadelholzbraunporling (Phaeolus Schweinitzii). Ein ergiebiger Pilz, der tolle Gelbtöne ergibt.
      Sonnige Grüße
      Tanja

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