FÄRBEN mit Pilzen – wunderschöne Pigmente

Katharina Krieglsteiner zeigt wie man verschiedene Garne, Wolle & Seide mit Pilzen färbt und berichtet darüber

Für viele Menschen,

die sich vertieft mit der Natur beschäftigen und in gewisser Weise zurück zum ursprünglichen Leben wollen, ist es interessant Stoffe und Fasern mit Pflanzen zu färben. Die wenigsten wissen jedoch, dass man auch mit Pilzen färben kann.

Pilze liefern eine faszinierende Farbpalette - von warmen Gelb- und Brauntönen, über leuchtendes Rot, frisches Grün, wunderschönes Blau, erstaunliches Violett bis zu kühlen Grautönen. Oftmals gibt die Farbe des Pilzes keinerlei Aufschluss über die Farbpigmente, die er beinhaltet.

Bei Färbungen mit Pflanzenteilen müssen häufig aufwendige Prozesse der Farbgewinnung durchlaufen werden (Krapp, Indigo, …)
Bei Pilzen hat man den Vorteil,

dass die Farben meist durch einfaches Auskochen zu extrahieren sind. Um Farbstoffe zu gewinnen verwendet man bei Pilzen lediglich die Fruchtkörper – das Pilz-Myzel im Boden bleibt unbeschadet und kann weitere Fruchtkörper produzieren, somit hat man nachhaltige Farbstoffproduzenten. Jedoch gilt es bei einigen Pilzarten die spärlichen Bestände zu schützen und nicht alle Fruchtkörper zu ernten (damit durch die Sporenverbreitung neue Lebensräume besiedelt werden können).

Die Chemie der Pilz-Farbstoffe ermöglicht das Färben von tierischen Fasern (hauptsächlich wird Wolle und Seide verwendet),

pflanzliche Fasern nehmen die meisten Farben leider kaum an bzw. erzielen nur etwas triste Farbeindrücke. Um gute, haltbare Färbeergebnisse auf Protein-Fasern zu erzeugen, müssen Garne oder Stoffe gebeizt werden – d. h. sie werden mit Alaun* oder AL-Kaltbeize vorbehandelt.

Die Vorbereitung des Pilzmaterials ist relativ einfach:

Bei getrocknetem Pilzmaterial weicht man die Pilze mindestens eine Stunde in Wasser (Regenwasser) ein (besser über Nacht) – je kleiner die Pilzstücke sind, desto besser werden die Farbstoffe gelöst. Die Pilze mitsamt der Einweichflüssigkeit werden dann ca. 1 h sprudelnd ausgekocht und schon hat man das Färbebad.

Zur besseren Handhabung werden die Pilzstücke abgesiebt und in deinem kleinen Säckchen in das Färbebad gehängt – so geraten nicht allzu viele Pilzfragmente in die Fasern oder auf den Stoff. Nun kann gefärbt werden! Für viele Pilzarten gilt: Das Gewicht des Färbeguts (wie Filz-Wolle*, Seide*, …) sollte dem Gewicht des Trockenpilzes entsprechen - das bedeutet, mit 100 g Trockenpilzmaterial kann man 100 g Wolle* färben. Der eigentliche Färbevorgang sollte unter dem Siedepunkt bei ca. 90 °C stattfinden, damit die Fasern keinen Schaden nehmen.
Der Daumenwert für die Färbedauer ist auch hier ungefähr eine Stunde. Nach dem Abschluss des Färbevorgangs sollte man die Fasern abkühlen lassen und dann mit klarem Wasser spülen, um überschüssige Farbe zu entfernen. Voila, nun ist die Pilzfärbung abgeschlossen und das Färbegut kann weiterverarbeitet werden!

Genauere Informationen finden Sie auf dem Flyer der Deutschen Gesellschaft für Mykologie e. V.:
https://www.dgfm-ev.de/reAttachment?name=DGfM-Flyer-Faerbepilze.pdf&reattachment=4791e80b578c9106535ae68eb9fc507a
Wer tiefer einsteigen möchte, kann gerne zu einem Kurs kommen.

Ihre Katharina Krieglsteiner

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