Birkenporling Tee

Der Heil- und Vitalpilz Fomitopsis betulina

Auf alten, schwachen Birken sind häufig die Fruchtkörper des Birkenporlings (Fomitopsis betulina) zu finden. Die jungen Fruchtkörper kommen weiß und knollig aus dem Stamm. Später meist kissenartig gepolsterte Fruchtkörper, die bis zu 30cm Durchmesser haben können, sind meist cremefarben bis grau/bräunlich, glatt und kahl. Der Birkenporling verursacht dort die Braunfäule und ist für die Zersetzung der alten Birken verantwortlich.

Der Birkenporling ist einer der am längsten genutzten Heil- und Vitalpilze überhaupt.Birkenporling

Die einjährigen weißen bis bräunlichen Fruchtkörper wurden wissenschaftlich sehr ausgiebig untersucht. Insbesondere als man ihn sogar bei der Tausende Jahre alten Gletschermumie „Ötzi“ fand.  An einer Lederschnur hatte er den Birkenschwamm befestigt und trug ihn wahrscheinlich als Reiseapotheke mit. Piptamin ist auch als „Antibiotikum der Steinzeit“ bekannt. Ausserdem hatte er den Zunderschwamm ( Fomes Fomentarius) und den „Chaga“, Schiefer Schillerporling ( Inonotus oliquus) dabei.
Es ist seit langem bekannt, dass der Birkenpilz volksmedizinisch als antimikrobielles, krebshemmendes und entzündungshemmendes Mittel genutzt wird. Der Ötzipilz wurde zum Reinigen und als mikroporöses Pflaster bei Wunden, Blasen an den Füßen und zur Schuheinlage verwendet. Das antimykotisch und antiseptisch wirkt.

Wenn ihr den Birkenporling als Wundpflaster verwendet, werdet ihr feststellen, das er blutstillende Eigenschaften hat und auch den Schmerz stillt.
Dazu muss man lediglich eine frische Scheibe vom Pilz ( am besten von der Unterseite) abschneiden und auf die Wunde legen oder wickeln. Aber auch getrocknet und mit Speichel etwas weich gemacht, eignet er sich gut. Der frische Pilz ist selbstklebend, getrocknete müssen mit einem Verband fixiert werden.
Die moderne Forschung bestätigt die gesundheitsfördernde Wirkung von F. betulina. Pharmakologische Studien haben die antibakteriellen, antiparasitären, antiviralen, entzündungshemmenden, antikanzerogenen, neuroprotektiven und immunmodulatorischen Wirkungen von F. betulina-Präparaten belegt.
Es wurden biologisch aktive Verbindungen wie Triterpenoide isoliert. Den Triterpenoiden als Gruppe sekundärer Pflanzenstoffe werden vielfältige Wirkungen zugesprochen, z. B. entzündungshemmende, antivirale, anti-HIV-, hepato- und kardioprotektive Eigenschaften.
Der Pilz ist auch ein Reservoir wertvoller Enzyme und anderer Substanzen wie Zellwand-(1→3)-α-d-Glucan, das zur Induktion mikrobieller Enzyme verwendet werden kann, die kariogene den-talen Biofilme abbauen.

Weiterhin unterstützte der Pilz die Menschen in der Bronzezeit beim Feuermachen und beim Feuertransport.

Der Birkenporling ist ein guter Zunder im trockenen Zustand, bei dem oft ein Funken schon ausreicht.
Außerdem kannst du damit wunderbar eine Glut transportieren, denn der Pilz schwelt lange vor sich hin.
Getrocknete Stücke vom Birkenporling können in Pflanzenöl gelegt und dann als Kaminanzünder genutzt werden.

Der gebräuchliche Name "Razor Strop Fungus" (Rasierklingenpilz) kommt daher,

dass in alten Friseursalons ein Streifen von der Unterseite des Pilzes abgeschnitten, getrocknet und auf ein Stück flaches Holz geklebt wurde. Dies wurde verwendet, um den Rasiermessern, die Barbiere verwendeten, den letzten Schliff zu geben als Abziehleder. Auf diese Weise gaben sie ihren Klingen einen antiseptischen und antimykotischen Überzug! Deshalb wurde er früher auch zur Verwendung als Messerscheide gerne genützt.
Auch im Friseursalon wurde er bei kleinen Wunden als Blutstiller verwendet.
Angeblich wurde in Skandinavien das Fruchtfleisch auch als Scheide für Messer verwendet, um die Messer vor Rost zu schützen.

Birkenporling stärkt das Immunsystem

und ist ein Magenfreund. Er hilft bei allgemeiner Magenschwäche, Magenverstimmungen und -Reizungen, Magenschleimhautentzündungen  und Magengeschwüren.
Er macht sogar dem Bakterium Helicobacter pylorii den Garaus. Dazu musste der Tee über 20 Tage lang dreimal täglich eingenommen werden. Auch vorbeugend hilft der Pilz, dass Magen-Darmkrankheiten gar nicht erst aufkommen. Außerdem soll der Birkenporling bei der Bekämpfung von Darmparasiten und als Antiwurmmittel helfen.

Vor etwa 5300 Jahren hatte Ötzi, der Mann aus dem Eis,

einen parasitären Darmwurm, den sogenannten Peitschenwurm. Vermutlich hat er den Peitschenwurm mit der Polyporensäure, einer der im Birkenpilz enthaltenen Wirkstoffe, durch die Einnahme des Pilzes bekämpft. Die Polyporensäure wirkt zudem antibakteriell, antiviral und entzündungshemmend. Die Inhaltsstoffe des Birkenporlings regen das Immunsystem an und fördern die Abwehrkräfte des Körpers. Das Abwehrsystem kann besser auf in den Körper eingedrungene Viren reagieren und diese wirkungsvoll bekämpfen laut Prof. Dr. Jan I. Lelley. 
Dazu wird der Vitalpilz vorsichtig von der Baumrinde geschnitten.Wer möchte, kann gleich ein frisches, rohes Pilz-Stückchen als schnelle Erste Hilfe im Mund zerkauen und schlucken.

Hohe Mengen an Polyporensäuren A, B und C, Hydrochinon, Indolalkaloide, Betulinsäure, Vitamine, Mineralstoffe, Antioxidantien, Terpene, Agaricinsäure (unterdrückt die Schweißsekretion) und Piptamin sind für die gesundheitliche Wirkung des Pilzes verantwortlich. Beim Sammeln sollten ihr darauf achten, dass die Porlinge an der Unterseite/Porenseite schön weiß sind und nicht schimmlig.

Beim Sammeln sollten Sie darauf achten, dass die Porlinge an der Unterseite/Porenseite schön weiß sind und nicht schimmlig.

Die beste Sammelzeit beginnt im September und dauert bis Dezember. In dieser Zeit entwickelt der Birkenporling neue Fruchtkörper. Gesammelt werden sollten nur Pilze mit einer weißen Unterseite. Der Birkenporling ist an stehenden oder liegenden Stämmen zu finden. Die jungen Exemplare sind saftig weich und essbar, mit einem säuerlichen, bitteren Geschmack, der von der enthaltenen Agaricinsäure stammt.
Wer bereits eine gesunde Ernährung verfolgt und ab und an auch Wildkräuter darin integriert, für den sind diese Bitterstoffe meist geschmacklich nicht so dramatisch.
Ist das Fruchtfleisch mit braunen Flecken durchzogen, kann ein Schädlingsbefall vorliegen. Mit zunehmendem Alter wird der Pilz sehr zäh, korkartig, gelbbräunlich und eignet sich nicht mehr zum Verzehr.

Birkenporling
Birkenporling Tee

Zum Trocknen,

schneide dazu einen Birkenporling Fruchtkörper in 3-5 mm dicke Scheiben. Trockne dann die Scheiben auf deiner Heizung, im Dörrgerät oder aufgefädelt auf einer Schnur an einem warmen Ort.

Am besten lagert ihr die raschel-getrockneten Pilzstücke,

die ihr auch zu Pulver vermahlen könnt (z.B. in einer Kaffeemühle), in einem Glas an einem dunklen Ort. So hält sich der Birkenporling jahrelang.
Oder ihr füllt gleich das staubtrockene feine Pilz-Pulver in Softgel-Kapseln ab. Das erleichtert die Einnahme, wer mit den Bitterstoffen nicht so klar kommt.

Wenn es um den Genuss oder die Abneigung verschiedener Geschmacksrichtungen geht, werden keine zwei Menschen jemals völlig übereinstimmen. Für jeden von uns wird die Antwort auf die Frage, ob ein wildes oder kultiviertes Lebensmittel essbar, schmackhaft oder vielleicht geschmacklos ist, immer anders ausfallen.
Der Birkenporling ist zwar essbar, hat aber einen recht bitteren, sauren Nachgeschmack, so dass er als Nahrungsmittel nicht unbedingt beliebt ist, aber vielleicht müssen wir erst entdecken, wie der Birkenporling geschmacklich gut zubereitet sein kann. Vielleicht könnte man die Pilzscheiben durch wässern Entbittern, wie bei Eicheln.

Immer wieder lese ich, das Pilzsammler versuchen den Birkenporling zu essen und dazu werden junge Fruchtkörper in dünne Scheiben geschnitten, mariniert und dann in der Pfanne geröstet. Einige der Pilzfreunde verwenden ihn auch sparsam für Suppenfonds (wie Hühner- oder Rindsuppe, asiatische Fischsuppe mit süsser Sojasauce), Saucen und Eintöpfe, und ich konnte sogar ein Rezept für einen Wrap entdecken.  Der Tee wird auch als Brühe zum Aufgiessen von Schmorgerichten verwendet. Dafür die Zitrone und Süße weglassen!

Birkenporling-Tee

Zutaten:

ca. 1 EL Birkenporling (frisch oder getrocknet)
1 l Wasser
Honig oder Agavensirup
Zitrone

 

 

Den Birkenporling evtl. säubern, kleinschneiden und für ca. 10-20 Minuten im Wasser kochen.
Mit Honig oder Agavensirup süßen. Ich trinke den Tee gerne mit Zitrone.
Auch wenn man sich an den Geschmack erst gewöhnen muss, ist der Tee ein hervorragender Durstlöscher und kann warm oder im Sommer gekühlt mit Eiswürfel getrunken werden.

Ihr könnt den Birkenporling auch ein zweitesmal auskochen!

Birkenporling Tee

Herstellung einer Birkenporling - Tinktur

Um eine Tinktur herzustellen gibt man 20g getrocknetes Birkenporlingpulver oder Stücke in ein Glasgefäss und übergießt dieses mit 150ml mind. 40 - 50%igem Biobrand (auch hochprozentiger Wodka oder Obstbrand ist verwendbar).

Diese Mischung minimum eine Woche an einem dunklen und kühlen Ort stellen.

Danach ist die Tinktur fertig. Die Flüssigkeit wird nun abgefiltert und in eine braune Tropfflasche umgefüllt. Von dieser Tinktur gibt man 3 – 5 Tropfen in ein Glas Wasser und trinkt täglich 3 Gläser.

Achtet darauf auch in welchen Gegenden ihr die Pilz-Fruchtkörper sammelt. Also nicht an befahrenen Strassen zum Verzehr ernten, auch Pilze nehmen Schadstoffe an, siehe Infoseite!

Allerdings kann mit solchen oder auch alten Fruchtkörpern trotzdem noch Papier hergestellt werden. Dazu könnt ihr bei meinem Artikel über Papierschöpfen nachlesen oder bei einem Kurs teilnehmen.
Anbau

Mittlerweile gibt es auch Birkenporling Impfdübel, somit könntet ihr eure eigene Pilzbrut ziehen.
Der Anbau funktioniert auch auf ganz frischen liegenden Birkenstämmen. Eine Beimpfung von Birkenholz mit Impfdübeln ist das ganze Jahr über möglich. Die optimale Zeit ist zwischen September und Februar.

Regeln dazu:
Nach einer 3-4 monatigen Durchwachszeit, aber vor dem Sommer, sollten sie stehend eingegraben werden.
Holzstämme die zwischen März und Mai beimpft werden, können im September /Oktober im Garten eingegraben werden.
Die durchwachsenen Pilzstämme können aber gut bis zu einem Jahr gelagert werden. Es empfiehlt sich nicht die Pilzstämme im Hochsommer (Juli/ August) und im Winter im Garten einzugraben, da das Myzel unter diesen klimatischen Bedingungen nicht gut in den Boden einwachsen kann.
Wichtig ist, die Baumstämme nach dem Beimpfen feucht zu halten, gerade in der Anfangsphase frostfrei. Temperaturen über 25 °C können dem Mycel ebenfalls schaden.

Weitere Infos nachzulesen unter
Fomitopsis betulina (formerly Piptoporus betulinus): the Iceman’s polypore fungus with modern biotechnological potential

3 comments
  1. super Artikel, vielen Dank.

  2. Sehr hilfreich – vielen Dank, Tanja!
    Habe seit 4 Jahren einen getrockneten, in Streifen geschnittenen Birkenporling den ich nun dank deines Artikels endlich mal wieder auspacke und koche.
    Lieben Gruß aus Berlin
    G.K.

    1. Hallo Gerrit,
      das freut mich sehr! Du kannst im Museum Berlin „Haus des Papiers“ mein Pilzpapier besichtigen, falls Du Lust hast!
      https://fungi-paper.de/exhibitions
      Dann lass Dir den Birkenporling Tee schmecken;-) Lieben Gruß aus Bayern, Tanja

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